Raumakustik - wie sie unser Leben beeinflusst

Raumakustik beeinflusst unser Leben, weil sie beeinflusst wie wir hören. Der Mensch nimmt über den Sinn des Sehens die meisten Informationen auf, das Hören steht allerdings schon an zweiter Stelle. Oft ist jedoch der Sinn des Hörens am wichtigsten, z.B. wenn Kinder sprechen lernen oder einfach wenn sich Menschen miteinander unterhalten - und hier wirkt die Raumakustik ein.

Wir gestalten Räume für den Sinn des Sehens, da ein ansprechend gestalteter Raum uns einen angenehmen Aufenthalt oder ein produktives Arbeiten oder Lernen darin ermöglicht. Das Hören und die Raumakustik findet bei der Gestaltung oft wenig Aufmerksamkeit, obwohl es ähnlich auf unser Empfinden wirkt. 

Bei unangenehmen Einflüssen können wir unsere Augen schließen – unsere Ohren jedoch nicht.

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Passende Raumakustik

Was bedeutet Passende Raumakustik? Die Raumakustik bestimmt unser Hörempfinden in einem Raum. Schall (egal ob Sprache, Musik oder Geräusche) wird von Wänden und Gegenständen im Raum absorbiert ("geschluckt") oder reflektiert (in den Raum zurückgeworfen). Jeder Raum hat seine eigene akustische Charakteristik, sein "akustisches Klima". Dieses kann durch akustische Maßnahmen auf die Nutzung des Raums angepasst werden - so wie die richtige Beleuchtung oder der richtige Stuhl. Passende Raumakustik bewirkt, dass wir in diesem Raum Sprache besser verstehen, uns wohler fühlen, besser arbeiten, effektiver lernen oder Musik und Heimkino genießen.

Raumakustik Definition

Wir werden oft gefragt: Was ist Raumakustik? - Die Raumakustik ist ein Teilgebiet der Akustik. Nach der gängigen Raumakustik Definition beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der baulichen Gegebenheiten eines Raums auf die Wahrnehmung von Schallereignissen in diesem Raum. Diese Wahrnehmung wird Hörsamkeit genannt. Oder - Raumakustik Definition einfach ausgedrückt - wie muss ein Raum gestaltet sein, damit sich Schall darin anhört wie gewünscht. 

Die Rolle der Raumakustik im Zusammenhang mit Musik ist weithin bekannt; beeinflusst die Raumakustik doch direkt den Klang und wie sehr ein Saal die Musik "trägt". Die Raumakustik Definition schließt aber auch ein, dass Raumakustik Planung ein wesentlicher Teil der Gestaltung von alltäglichen Räumen ist, da die Raumakustik Sprachverständlichkeit, Lärm und die allgemeine Wahrnehmung eines Raums direkt beeinflusst. Es gibt Normen und sogar Gesetze und Verordnungen, die eine definierte Raumakustik z.B. in Schule und Kindergarten oder am Arbeitsplatz fordern. Verschärfte Vorschriften für Raumakustik gelten bei der Inklusion.

Raumakustik, Bauakustik, Schallschutz

Bei der Raumakustik geht es um Schall in einem Raum, während die Bauakustik den Schalldurchgang zwischen Räumen oder zwischen einem Raum und der Außenwelt betrachtet - hier spricht man auch von Schallschutz.

Details über Raumakustik in verschiedenen Lebensbereichen auf folgenden Unterseiten

Eine geeignete Raumakustik fördert:

Der Zusammenhang zwischen Raumakustik und Lärmminderung

Sie unterhalten sich in einem Restaurant. Es kommen mehr Gäste, es wird lauter, alle fangen an lauter zu sprechen, dadurch wird es noch lauter. Sie rücken näher an Ihr Gegenüber und bemerken, dass auch Sie sehr laut sprechen und trotzdem Ihr Gegenüber kaum noch verstehen. Der Lärmpegel im Raum schaukelt sich auf, "man versteht sein eigenes Wort nicht mehr", der Restaurantbesuch wird anstrengend und unangenehm.

Sich "aufschaukelnder" Lärm tritt in vielen Restaurants, aber auch in Büros, Schulen, Kitas und Säälen auf und wurde erstmals vom französischen Wissenschaftler Ètienne Lombard beschrieben.

Raumakustik und Lärmminderung stehen in einem direkten Zusammenhang: Der Anstieg des Lärmpegels wird verringert, wenn man die Schallreflexionen von Wänden, Decke, Gegenständen im Raum gezielt reduziert - durch die Verwendung von Materialien, die Schallreflexionen bedämpfen. Bei der Frage, welches Material in Ihrem Raum die gewünschte Lärmreduzierung bringt und sich auch optisch in den Raum einfügt, kann Ton im Raum Sie beraten. Dabei achten wir auch auf die Kosten - nicht immer ist das teurere Material besser. In vielen Projekten konnten wir für unsere Auftraggeber schon signifikante Materialkosten einsparen.

Barrierefreiheit und Inklusion - nicht ohne Raumakustik

Vorrichtungen wie Rollstuhlrampen werden an öffentlichen Gebäuden umgesetzt, weil sie Sinn machen und die Forderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllen. Eine geeignete Raumakustik wird in gleichem Maße von Gesetzen und Verordnungen gefordert, jedoch ist die Raumakustik Planung in Architekturprojekten bisher noch selten enthalten.

Dabei ermöglicht erst eine geeignete Akustik, dass Menschen mit erhöhtem Bedürfnis nach guter Hörsamkeit Anlagen wie gefordert „zweckentsprechend und ohne fremde Hilfe nutzen können“. Und davon profitieren alle Menschen, da nur bei geeigneter Akustik eine ausreichende Sprachverständlichkeit für jedermann gegeben ist.

Trotz erwiesener Sinnhaftigkeit wird oft hinterfragt, ob die Akustik beachtet werden muss. Folgende Fakten legen nahe, dass dies der Fall ist und dass Architekten und Bauträger das Risiko von Streitigkeiten minimieren, wenn sie eine normgerechte Akustik realisieren:

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- Das Benachteiligungsverbot Art. 3, Abs. 3 Grundgesetz, das Behindertengleichstellungsgesetz § 4 und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordern für alle Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen einen gleichberechtigten Zugang zu allen relevanten Teilhabebereichen einer Gesellschaft

- Das Behindertengleichstellungsgesetz präzisiert in § 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr (1) „Zivile Neu-, Um- und Erweiterungsbauten im Eigentum des Bundes ... sollen entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik barrierefrei gestaltet werden“.

- Die Landesbauordnung (LBO) Baden-Württemberg führt das weiter aus in § 39 Barrierefreie Anlagen
(1) „Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen, die überwiegend von Menschen mit Behinderung oder alten Menschen genutzt werden … sind so herzustellen, dass sie von diesen Personen zweckentsprechend ohne fremde Hilfe genutzt werden können“
(2) „Die Anforderungen nach Absatz 1 gelten auch für“ (hier gekürzt)
Gebäude der öffentlichen Verwaltung ...
Schalter- und Abfertigungsräume …
Kirchen und andere Anlagen für den Gottesdienst,
Versammlungsstätten, Museen, Bibliotheken,
Jugend- und Freizeitstätten,
Messe-, Kongress- und Ausstellungsbauten,
Krankenhäuser, Kureinrichtungen und Sozialeinrichtungen,
Bildungs- und Ausbildungsstätten aller Art, wie Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen,
Kindertageseinrichtungen und Kinderheime,
Bürogebäude,
Gaststätten,
Praxen der Heilberufe und der Heilhilfsberufe

- Der Leitfaden Barrierefreies Bauen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit
definiert die „Akustik-Norm“ DIN 18041:2016-03 klar als allgemein anerkannte Regel der Technik (S. 13)
und erläutert:
S. 150 Informations- und Kommunikationshilfen: „Eine optimierte Raumakustik ist obligatorisch“
S. 46 Einschränkung der auditiven Wahrnehmung: … „Der Schwerpunkt der Kompensationen durch bauliche Interventionen liegt in der sorgfältigen Beachtung der baulichen Akustik“...
S. 79 Auditive Wahrnehmung: „Akustische Informationen sowie sprachliche Kommunikation müssen so erfolgen, dass sie für alle Menschen wahrnehmbar sind. … Dabei ist es notwendig, akustische Grundvoraussetzungen zu schaffen.“
S. 145 Eingang und Foyer: „Wenn Foyers auch für Veranstaltungen genutzt werden, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik ... zu berücksichtigen.“

- Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) regelt in Teil B, § 13 Mängelansprüche: „Die Leistung ist zur Zeit der Abnahme frei von Sachmängeln, wenn sie die vereinbarte Beschaffenheit hat und den anerkannten Regeln der Technik entspricht.“

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Barrierefrei-Icons mit Rauumakustik

Gute Akustik oder geeignete Akustik - und wie man sie erreicht

Von einer "guten Akustik" wird immer wieder gesprochen, auch liest man häufig "gute Akustik". Solche umgangssprachlichen Aussagen sind gut gemeint, aber mit Vorsicht zu genießen. Dem Begriff "gut" fehlt hier Definition - was eine Person als gut empfindet, kann für eine andere negativ besetzt sein. Beispiel: Person A findet Erdbeereis gut, während Person B Erdbeeren nicht mag und auf Schokoladeneis schwört. "Gut" ist subjektiv.

Ersetzt man "gut" durch "geeignet", muss man die Frage beantworten: "geeignet wofür"? In der Akustik legt man dazu die Nutzungsart eines Raums fest, d.h. man bestimmt, was in einem Raum getan wird - Unterricht, Musizieren, Sport, etc.. Anhand der Nutzungsart kann man klar definieren, welche akustischen Eigenschaften (z.B. Nachhallzeit, Sprachverständlichkeit, Reflexionsverhalten) ein Raum haben muss. Damit lässt sich objektiv beurteilen, ob die Akustik eines Raums für dessen Nutzung geeignet ist.

Oft treten verschiedene Nutzungsarten in einem Saal auf, z.B. Gemeinderatssitzungen, Konzerte und Hochzeitsfeste. Ist die Raumakustik für nur eine Nutzungsart ausgelegt, dann ist sie z.B. für Konzerte geeignet, aber während der Gemeinderatssitzungen versteht man Sprache schlecht, da diese Nutzungsart eine andere Akustik erfordert. Bei mehreren Nutzungsarten sind bei einfacher Auslegung Kompromisse erforderlich, oder man realisiert eine aufwendigere variable Akustik, die sich an die Nutzungsart anpassen lässt, z.B. durch Zuziehen von akustisch wirksamen Vorhängen oder Einschwenken von Akustikelementen.