Raumakustik - wie sie unser Leben beeinflusst

Raumakustik beeinflusst unser Leben, weil sie beeinflusst wie wir hören. Der Mensch nimmt über den Sinn des Sehens die meisten Informationen auf, das Hören steht allerdings schon an zweiter Stelle. Oft ist jedoch der Sinn des Hörens am wichtigsten, z.B. wenn Kinder sprechen lernen oder einfach wenn sich Menschen miteinander unterhalten - und hier wirkt die Raumakustik ein.

Wir gestalten Räume für den Sinn des Sehens, da ein ansprechend gestalteter Raum uns einen angenehmen Aufenthalt oder ein produktives Arbeiten oder Lernen darin ermöglicht. Das Hören und die Raumakustik findet bei der Gestaltung oft wenig Aufmerksamkeit, obwohl es ähnlich auf unser Empfinden wirkt.

Bei unangenehmen Einflüssen können wir unsere Augen schließen – unsere Ohren jedoch nicht.

Die Raumakustik an den Raum und seine Nutzung anpassen

Die Raumakustik bestimmt unser Hörempfinden in einem Raum. Schall (egal ob Sprache, Musik oder Geräusche) wird von Wänden und Gegenständen im Raum absorbiert ("geschluckt") oder reflektiert (in den Raum zurückgeworfen). Jeder Raum hat seine eigene akustische Charakteristik, sein "akustisches Klima". Dieses kann durch akustische Maßnahmen auf die Nutzung des Raums angepaßt werden - so wie die richtige Beleuchtung oder der richtige Stuhl - mit dem Erfolg, dass wir in diesem Raum Sprache besser verstehen, uns wohler fühler, besser arbeiten, effektiver lernen oder das Heimkino genießen.

Eine geeignete Raumakustik fördert:

Raumakustik in:

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Der Zusammenhang zwischen Lärm und Raumakustik

Sie unterhalten sich in einem Restaurant. Es kommen mehr Gäste, es wird lauter, alle fangen an lauter zu sprechen, dadurch wird es noch lauter. Sie rücken näher an Ihr Gegenüber und bemerken, dass auch Sie sehr laut sprechen und trotzdem Ihr Gegenüber kaum noch verstehen. Der Lärmpegel im Raum schaukelt sich auf, "man versteht sein eigenes Wort nicht mehr", der Restaurantbesuch wird anstrengend und unangenehm.

Sich "aufschaukelnder" Lärm tritt in vielen Restaurants, aber auch in Büros, Schulen, Kitas und Säälen auf und wurde erstmals vom französischen Wissenschaftler Ètienne Lombard beschrieben.

Der Anstieg des Lärmpegels wird verringert, wenn man die Schallreflexionen von Wänden, Decke, Gegenständen im Raum gezielt reduziert - durch die Verwendung von Materialien, die Schallreflexionen bedämpfen. Bei der Frage, welches Material in Ihrem Raum die gewünschte Lärmreduzierung bringt und sich auch optisch in den Raum einfügt, kann Ton im Raum Sie beraten. Dabei achten wir auch auf die Kosten - nicht immer ist das teurere Material besser. In vielen Projekten konnten wir für unsere Auftraggeber schon signifikante Materialkosten einsparen.

Barrierefreiheit und Inklusion - nicht ohne Raumakustik

Vorrichtungen wie Rollstuhlrampen werden an öffentlichen Gebäuden umgesetzt, weil sie Sinn machen und die Forderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllen. Eine geeignete Raumakustik wird in gleichem Maße von Gesetzen und Verordnungen gefordert, aber noch selten realisiert.

Dabei ermöglicht erst eine geeignete Akustik, dass Menschen mit erhöhtem Bedürfnis nach guter Hörsamkeit Anlagen wie gefordert „zweckentsprechend und ohne fremde Hilfe nutzen können“. Und davon profitieren alle Menschen, da nur bei geeigneter Akustik eine ausreichende Sprachverständlichkeit für jedermann gegeben ist.

Trotz erwiesener Sinnhaftigkeit wird oft hinterfragt, ob die Akustik beachtet werden muss. Folgende Fakten legen nahe, dass dies der Fall ist und dass Architekten und Bauträger das Risiko von Streitigkeiten minimieren, wenn sie eine normgerechte Akustik realisieren:

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- Das Benachteiligungsverbot Art. 3, Abs. 3 Grundgesetz, das Behindertengleichstellungsgesetz § 4 und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordern für alle Menschen unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen einen gleichberechtigten Zugang zu allen relevanten Teilhabebereichen einer Gesellschaft

- Das Behindertengleichstellungsgesetz präzisiert in § 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr (1) „Zivile Neu-, Um- und Erweiterungsbauten im Eigentum des Bundes ... sollen entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik barrierefrei gestaltet werden“.

- Die Landesbauordnung (LBO) Baden-Württemberg führt das weiter aus in § 39 Barrierefreie Anlagen
(1) „Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen, die überwiegend von Menschen mit Behinderung oder alten Menschen genutzt werden … sind so herzustellen, dass sie von diesen Personen zweckentsprechend ohne fremde Hilfe genutzt werden können“
(2) „Die Anforderungen nach Absatz 1 gelten auch für“ (hier gekürzt)
Gebäude der öffentlichen Verwaltung ...
Schalter- und Abfertigungsräume …
Kirchen und andere Anlagen für den Gottesdienst,
Versammlungsstätten, Museen, Bibliotheken,
Jugend- und Freizeitstätten,
Messe-, Kongress- und Ausstellungsbauten,
Krankenhäuser, Kureinrichtungen und Sozialeinrichtungen,
Bildungs- und Ausbildungsstätten aller Art, wie Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen,
Kindertageseinrichtungen und Kinderheime,
Bürogebäude,
Gaststätten,
Praxen der Heilberufe und der Heilhilfsberufe

- Der Leitfaden Barrierefreies Bauen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit
definiert die „Akustik-Norm“ DIN 18041:2016-03 klar als allgemein anerkannte Regel der Technik (S. 13)
und erläutert:
S. 150 Informations- und Kommunikationshilfen: „Eine optimierte Raumakustik ist obligatorisch“
S. 46 Einschränkung der auditiven Wahrnehmung: … „Der Schwerpunkt der Kompensationen durch bauliche Interventionen liegt in der sorgfältigen Beachtung der baulichen Akustik“...
S. 79 Auditive Wahrnehmung: „Akustische Informationen sowie sprachliche Kommunikation müssen so erfolgen, dass sie für alle Menschen wahrnehmbar sind. … Dabei ist es notwendig, akustische Grundvoraussetzungen zu schaffen.“
S. 145 Eingang und Foyer: „Wenn Foyers auch für Veranstaltungen genutzt werden, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik ... zu berücksichtigen.“

- Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) regelt in Teil B, § 13 Mängelansprüche: „Die Leistung ist zur Zeit der Abnahme frei von Sachmängeln, wenn sie die vereinbarte Beschaffenheit hat und den anerkannten Regeln der Technik entspricht.“

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Gute Akustik oder geeignete Akustik - und wie man sie erreicht

Von einer "guten Akustik" wird immer wieder gesprochen, auch liest man häufig "gute Akustik". Solche umgangssprachlichen Aussagen sind gut gemeint, aber mit Vorsicht zu genießen. Dem Begriff "gut" fehlt hier Definition - was eine Person als gut empfindet, kann für eine andere negativ besetzt sein. Beispiel: Person A findet Erdbeereis gut, während Person B Erdbeeren nicht mag und auf Schokoladeneis schwört. "Gut" ist subjektiv.

Ersetzt man "gut" durch "geeignet", muss man die Frage beantworten: "geeignet wofür"? In der Akustik legt man dazu die Nutzungsart eines Raums fest, d.h. man bestimmt, was in einem Raum getan wird - Unterricht, Musizieren, Sport, etc.. Anhand der Nutzungsart kann man klar definieren, welche akustischen Eigenschaften (z.B. Nachhallzeit, Sprachverständlichkeit, Reflexionsverhalten) ein Raum haben muss. Damit lässt sich objektiv beurteilen, ob die Akustik eines Raums für dessen Nutzung geeignet ist.

Oft treten verschiedene Nutzungsarten in einem Saal auf, z.B. Gemeinderatssitzungen, Konzerte und Hochzeitsfeste. Ist die Raumakustik für nur eine Nutzungsart ausgelegt, dann ist sie z.B. für Konzerte geeignet, aber während der Gemeinderatssitzungen versteht man Sprache schlecht, da diese Nutzungsart eine andere Akustik erfordert. Bei mehreren Nutzungsarten sind bei einfacher Auslegung Kompromisse erforderlich, oder man realisiert eine aufwendigere variable Akustik, die sich an die Nutzungsart anpassen lässt, z.B. durch Zuziehen von akustisch wirksamen Vorhängen oder Einschwenken von Akustikelementen.